Nicht jeder Traum wird wahr. Nicht jede Welt lässt dich hinein.

 

 

Montag, zehn Uhr.

Der Gang der Musikhochschule ist voll.

Mütter mit Handtaschen.

Klavierlehrer mit Aktentaschen.

Schüler mit Notenrollen.

 

 

Alle füllen Bögen aus: Name, Anschrift, Geburtsdatum, Prüfungsrepertoire.

Eine Studentin sammelt die Zettel ein.

 

Die Probanden dürfen sich auf die Klavierzimmer verteilen, zum Einspielen.

Ab elf beginnt das Prüfungsverfahren.

Fred sitzt auf einem Stuhl am Rand. Er ist aufgeregt, aber nicht wegen des Spielens.

Der Gang ist voller Begleiter, voller Menschen, die jemanden dabeihaben.

Nur er ist allein.

 

Er will jetzt auch keine Tonleitern mehr üben. Er will, dass es losgeht.

 

Der erste Prüfling wird aufgerufen.

Als er drinnen zu spielen beginnt, verstummen alle Gespräche im Gang.

Stille.

Fred hört zu.

 

Und er hört, dass da einer am Werk ist, der grandios spielt.

Die Pausen fein ausbalanciert, nicht sentimental, nicht süßlich.

Ein Spiel, das ihn rührt, ohne ihn zu bedrängen.

 

Als der Junge endet, steht Fred auf.

Ganz ruhig.

 

Er nimmt seine Mappe.

Geht den Gang entlang.

Die Treppe hinunter.

Durch die Glastür hinaus.

Er denkt: Ich bin nicht gut genug. Das hier ist Spinnerei. Was bilde ich mir ein.

 

Er ist enttäuscht — von sich, von vier Jahren Alleingang und von einer Welt, die ihn nicht braucht.

 

 

 

 

Die alte Ordnung kehrt zurück