Nachleben II
Der Sommer ist warm, als Hans und Käthe ins Haus ziehen.
Das Haus steht offen, als sie ankommen. Der Schlüssel dreht sich leicht im Schloss. Drinnen riecht es nach Staub, nach Holz, nach etwas, das lange nicht berührt wurde. Die Räume sind leer, wie ausgeatmet. Alles weg — Möbel, Wäsche, Geschirr, selbst die Einweckgläser aus dem Keller.
Käthe geht durch die Zimmer. Der Boden knarrt unter ihren Schritten. Sie sieht die Stellen, an denen früher die Schränke standen, die Schatten der Bilder an den Wänden. Aber es ist kein Schmerz. Eher ein stilles, fast beruhigendes Gefühl: Nichts ist da, was sie festhält. Nichts, was sie anklagt. Ein leerer Raum ist leichter zu betreten als einer, der noch spricht.
Hans stellt die Tasche ab. Er sagt nichts. Er sieht sich um, als suche er etwas, das er nicht findet. Vielleicht sich selbst. Vielleicht die Zeit, die verschwunden ist.
Käthe öffnet ein Fenster. Warme Luft strömt herein. Für einen Moment ist es einfach ein Haus. Ein Anfang. Ein Raum, der gefüllt werden kann.
Der Frost kommt später. Mit den Tagen, die sich gleichen. Mit Hans’ Kampf um den Laden, der jeden Abend schwerer auf seinen Schultern liegt. Mit seinem Rückzug in Kopfweh, Herzweh, Schweigen.
Mit Käthes Ankunft im immerwährenden Alltag, der keine Pausen kennt.
Sie werden sich Jahre später endgültig trennen.
Aber jetzt, in diesem ersten Moment, ist das Haus nur leer. Und das ist fast ein Trost.