Nachleben I
Das Glück währt nur kurz.
Mitte der fünfziger Jahre gibt es ein Vorkommnis. Es geht um eine Geldbörse.
In der Familie wird nie zu klären sein, ob Kurt sie wirklich genommen hat oder ob er jemanden schützt. Er entschließt sich jedenfalls über Nacht, mit seiner Freundin in den Westen zu gehen.
Die Grenzen sind offen. Am Morgen ist er fort.
Das hat Folgen. Otto wird aufgefordert, sich von seinem ältesten Sohn loszusagen, was er nicht kann.
Er darf danach nicht mehr im Staatsdienst arbeiten. Mit bald sechzig geht er auf die Moorwiesen, Moor stechen für das Moorbad. (Es war körperlich harte Arbeit.)
Die Anna ist wie erstarrt. Sie wartet auf Post. Wenn sie ankommt, ist sie meistens schon geöffnet.
Erst Ende der sechziger Jahre, als Rentner, dürfen sie ihren Sohn wieder sehen in einer großen Stadt im Westen. Ein spätes Wiedersehen.
Anna und Otto leben ihr kleines, stilles Leben weiter. Ohne Klage, ohne große Worte. Bis ans Ende der Zeit.