Ella schreibt in ihr Tagebuch:
Ich hatte sein Konzert im Radio gehört, nicht laut, eher so nebenbei. Und dann passiert’s – ein Schluchzen, die Stimme bricht.
Dass er mit den „armen Stasi-Schweinen“ wenig Mitleid hatte – bekannt.
Dass er Auftrittsverbote im öffentlichen Raum hatte – bekannt.
Dass er nur noch in Kirchen singen durfte – ebenso.
Dass die Genossen versucht waren, ihn loswerden zu wollen – denkbar.
Aber bisher war es ein Kampf mit offenem Visier. Ein Ringen, das man sehen konnte. Ein Konflikt, der wenigstens Namen hatte.
Und jetzt:
Sie lassen ihn ausreisen – Konzertreise in den Westen. Und dort, auf offener Bühne, sagen sie: „Wir entziehen dir die Staatsbürgerschaft.“
Das ist keine Maßnahme mehr. Das ist ein Schnitt ins Fleisch. Eine Perfidie, die sich nicht überbieten lässt.
Und plötzlich – ich hatte es nicht gesucht – auf einem Babygesicht spiegeln sich Altmännerfaxen.
Da dachte ich zum ersten Mal grundsätzlicher: Eine Staatsbürgerschaft ist ein Vertrag, den ich nie unterschrieben habe.
Die Kunst der Tarnung – Das Niemandsland der Künstler