Wer Döblins Welt betritt, hört auch unsere.
Die Sedimentenmaschine - ein Aggregat aus dem Döblin-Kosmos
Eine Bildschirm / Leinwand / Ton / Geräusche orchestrierte Komposition
Ein Verfahren aus ‚Berge Meere und Giganten‘.
Auf unzähligen kleinen und großen Monitoren erscheint die Welt in Nachrichtenbildern Dürre, brennende Wälder, staubtrockene Felder,
Wassermassen biblischen Ausmaßes, zerstörte Felder, zerstörte Städte, Heuschreckenschwärme, im Fluss treibende Tiere, Hunger,
Elend über die ganze Welt verteilt – jeden Tag neu - Massendemonstrationen gegen den Hunger – (die Preise für Lebensmittel explodieren) –
auf jedem Monitor andere Bilder – darüber leiser Nachrichtenbrei - im Untergrund aus den Tiefen des Labors ein rhythmisches Stampfen –
die Maschine, die den Brei kocht ist allgegenwärtig)
Der Bürgermeister erscheint in der Stille der Medienlandschaft auf einem einzigen Bildschirm wie ein Wortkünstler :
„Liebe Mitbürger, liebe anwesende Gäste, wir erleben heute einen erhebenden Augenblick,
der in die Geschäftsbücher eingehen wird.
Seit Jahrzehnten haben unsere Wissenschaftler an einer Lösung getüftelt, das größte Problem unserer Zeit zu lösen –
die Ernährung unserer Bevölkerung zu sichern, den Hunger auf der Welt zu besiegen.
Und heute ist es so weit: wir eröffnen unsere erste Mannastation – bitte sehr" – (wischt sich Schweißtropfen ab –)
Das Maschinenstampfen aus den Katakomben des Labors wird rhythmischer – das Licht wechselt – der Zuschauerraum wird ausgeleuchtet – kontrolliert das System bereits?
Die Speisung als Messespektakel
Auf einer riesigen Videoleinwand die HYPA-MESSE – Werbeslogans überall – Überblendungen zeigen volle Teller, die genommen werden,
und leere oder halbvolle Teller, die wieder hingestellt werden.
Marktschreier bieten Manna in 100 Geschmacksrichtungen an – „hier ist für jeden was dabei“.
Die „Maschine „aus dem Laborkeller entertaint ein quietschbuntes Surrogatenfest mit Rummelmusik, mit flippernden
Automatengeräuschen, mit grellbuntem Licht, mit allem, was der Unterhaltungsmarkt zu bieten hat.
„Mitten durch die Maschinen-Ansagen“ flirrt eine andere Spur: „Achtung, Achtung, wir weisen ausdrücklich darauf hin,
dass Besucher mit Fehlverhalten . Urinieren auf den Grünflächen oder Grölen nach 22 Uhr von uns gescannt werden.“
(- als Wiederholung mehrmals!)
Bildwechsel zwischen vollen Tellern und leeren Resten – das zyklische Nehmen und Zurückgeben zeigt nicht nur Konsum,
sondern auch Verwertung, vielleicht sogar Ernährungsriten im Überschuss-Zeitalter.
Sie enthält Werbung, Spektakel, Kontrolle – eine moderne Liturgie der Oberfläche.
Euphorisch inszeniertes Kommerztotal, Manna fällt nicht vom Himmel, sondern aus Dispenserschlitzen – heute:
„Trüffel-Gurke-Minze -light“ + erste Anzeichen ordnungsgebietender Überwachung.
Zum Schluss als Höhepunkt steigt auf der Leinwand ein Feuerwerk, gesponsert von MANNA. – die Szene endet abrupt.
Zeitgleich zum Fest: Der Chor will leben: – Essgeräusche, Schmatzen, Lippen lecken, Löffel kratzen – einzelne leise Kommentare –
„ich hats mir ja noch schlimmer vorgestellt“; „Rülps“, ein anderer würgt - Überlagerung der Tonspulen –
Chor lässt sich vereinnahmen – tanzen, mitsingen, ein paar Stunden ausgelassene Fröhlichkeit – man kann es auch Besinnungslosigkeit nennen.
Auf dem Höhepunkt des Spuks erscheint neben der Leinwand auf dem Rund des Raumes Nachrichtentext, den nur der Besucher sieht –
vielleicht als Lauftext mehrmals – das Fest läuft weiter: „die euro-asiatischen Delegationen und die Pan-Ozeanischen Fraktionen
haben sich in Honolulu bei ihrem 2. Treffen nicht einigen können. Es wurden keine Beschlüsse gefasst.“
Szenenwechsel
Auf der Videoleinwand ein Konferenztisch, Diplomaten, - kein Ton – nur Gesten: die Stimmung ist angespannt – abwehrende
Handbewegungen – die Papiere auf dem Tisch werden hin und her geschoben –
eine Unterschrift unter die Papiere scheint noch weit.
Plötzlich springt einer in der Runde auf und zerreißt die Blätter – die Videowand friert ein – die Schnipsel bleiben als Standbild.
Es erklingt das Geklackere sichtbarer, aber nicht lesbarer Tickermeldungen. Die Nachrichten in verschieden Sprachen werden
immer lauter und enden im Sirenenton für Katastrohen. Nach Abbruch totale stille. –
Es ist Krieg!
Der Konferenzraum wird zum Mobilmachungsbüro – überklebte Kinderzeichnungen mit Mobilmachungsaufrufen –
flackerndes Licht grell weiss, pulsiert Tag und Nacht.
Aus tiefer Fassungslosigkeit schält sich der Chor: „Was ist?“, „Was ist?“, „Was heißt das denn?“, -
der Chor zerfällt in Gruppen – „wir müssen uns vorbereiten“, „ich reise morgen früh“, „wohin“ –
„eh, wir schreiben das Jahr 2436 – was soll das?“`-
einer flüstert ein Gebet –
einer ruft: “wir müssen uns dagegen wehren –
es ist Krieg, und keiner geht hin“ -
„Ich hab schon meinen Einberufungsbefehl“
Frauen weinen --- daneben Militärpräsenz – schnarrender Befehlston: „Hauptmann, sie bauen mir eine Armee B auf“ –
der Feind ist an Menschenzahl überlegen“ – „Alle Männer zwischen 18 und 40 Jahren werden in der ersten Welle gezogen- alle! – ist das klar“.
Kurze Vorbereitung auf den Einsatz: Üben von im Gleichschritt marschieren, Befehle schwirren – das gleichmäßige Marschieren wird
rhythmischer und stärker ----(im Mittelton: „Papa, du kommst doch wieder!?“
Der Uralische KRIEG
360 Grad Klangfeld im Besucherraum von Wand zu Wand - akustische Tonkomposition
- Tieffrequentes Grollen wie innere Erdbeben
- Zirkulierende Stimmen – Fragmente von Befehlen
- Erinnerungen oder Gebete murmeln – keine Quellen, keine Klarheit
- Klanghafte Leerstellen: Frequenzen, die an Tinnitus erinnern, rhythmische Stille, pulsierende Atemsounds
- In der Endphase schält sich ein spitzer stehender Ton heraus, der über die Szene hinaus stehen bleibt
- Übergang markieren: Der Ton ist nicht der Neubeginn selbst, sondern das akustische Portal dorthin. Er bindet das, was war, und weist auf das, was kommt.
- Kinderreim „eene, meene muh – und weg bist du.